Ein Roman von Sabina Lorenz
(Literatur)
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Angebotstext
was geschieht, wenn Menschen Gewalt ausgesetzt sind?
In Sabina Lorenz’ Roman vergisst ein Mädchen ihren Namen, ein Junge seine Eltern und eine Frau verliert ihre Sprache. Eine andere ihre Gefühle. Was ihnen bleibt, ist eine Welt intensiver Gerüche, rebellischer Zorn. Oder distanzierter Intellekt.
Was passiert, wenn diese vier Charaktere aufeinandertreffen?
Sara kehrt nach zwanzig Jahren in ihre Heimatstadt zurück, um an Annes Beerdigung teilzunehmen. Kurz danach trifft sie ein Mädchen ohne Namen und den achtjährigen Oliver, der sich nicht mehr an seine Eltern erinnern kann.
Zur selben Zeit begegnet sie Elvira, die nach dem Ende einer Liebesbeziehung ihre Gefühle verloren hat. Für die jähzornige Sara ist es der Beginn einer Wiederholung ihres eigenen Schicksals, das 1973 begann, als sie im Alter von achtzehn Jahren verstummt vor Annes Tür stand.
Was sie mit Anne verbindet, hat Sara bislang niemandem erzählt. Doch die Sorge um die Kinder zwingt sie, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen. Dabei erfährt sie von Elvira Hilfe, die Saras ohnmächtige Gewaltausbrüche humorvoll auffängt.
Vor dem Hintergrund des Münchner Winterfestivals tut sich vor unseren Augen zwischen den vier Personen eine abgründige Liebesgeschichte auf:
Oliver, der sich zu Elvira wegen ihres Parfüms hingezogen fühlt. Das namenlose Mädchen, das um ihre Persönlichkeit und um Saras Liebe kämpft. Nach Umwegen werden zwei Streifen Kaugummipapier zu Verlobungsringen an Kinderfingern.
Elvira, sperrt Erinnerungen an eine einstige Vergewaltigung dadurch aus, indem sie ihre Liebhaberinnen auf Distanz hält, doch bei Sara misslingt es ihr.
Eine singende Säge ruft Olivers Erinnerungen an seine Eltern wach. Ein toter Vogel weckt in dem Mädchen die Frage, was sie selbst von dem leblosen Körper unterscheidet – ihr Name, ihr Name, den sie vergessen oder vielleicht auch nie besessen hat.
Annes Mosaik wurde beeinflusst durch die Romane von Toni Morrison, Jeanette Winterson, Bianca Döring und Salman Rushdi, in deren Geschichten sich realistische und phantastische Elemente zu einer eigenen Wirklichkeit verflechten.
Sabina Lorenz nimmt uns die graue Binde des Alltags ab, und wie manchmal der Wind die Gräser erzittern lässt, weht ihre Poesie über den Staub mit einer Stimme, der man ständig nachzuhören gewillt ist, weil man vermeint, sie könne uns die aufblitzenden Geheimnisse erklären. Sie tut es auch: mit einem lyrischen Blick, der uns zum erlösenden Schweigen zwingt.
Zur Autorin:
Jahrgang 1967. Studium der Sozialpädagogik von 1989 bis 1995. Seither war sie in der Flüchtlingsarbeit, als Streetworkerin, im psychosozialen Dienst auf einer Kinderkrebsstation, in einem Schulprojekt im indischen Himalaya und in einer Wohngruppe für körperbehinderte und psychisch kranke junge Erwachsene tätig. Sabina Lorenz lebt in München.
Sie ist Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift außer.dem.
2003 Haidhauser Werkstattpreis (München)
2004 Stipendium Literaturhaus Berlin
Veröffentlichungen (Eine Auswahl):
Mehrkomponentenkleber für drei Stimmen und eine Putzfrau und Konfession einer Kaffeefahrt und deren Büfett, Lyrik, in: ndl – Zeitschrift für Literatur und Politik (8/2004)
Ediths Liebe, Kurzprosa, in: BISS–Magazin (4/2004)
Die Fremde ist ein Ort, Lyrikband. Lyrik Edition 2000
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